Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach.
6. SINFONIEKONZERT
BACH, TELEMANN & BEETHOVEN
TRAGENDE SÄULEN DER MUSIK
JOHANN SEBASTIAN BACH: Orchestersuite Nr. 3 D-Dur BWV 1068
GEORG PHILIPP TELEMANN: Konzert für Altblockflöte, Streicher und Basso continuo C-Dur TWV 51:C1
LUDWIG VAN BEETHOVEN: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 – „Eroica“
SINFONIEKONZERT IM RAHMEN VON „BEETHOVEN 360°“
Musikgeschichte lässt sich in aller Regel als Historie großer Namen, bedeutender Werke und kunstästhetischer Umbrüche erzählen. Ebenso aufschlussreich ist der Blick auf jene musikalischen Kräfte, die über Generationen hinweg tragende Strukturen geschaffen haben: Formen, Klangideale und kompositorische Prinzipien, auf denen spätere Generationen aufbauen konnten. Denn: Was wäre die Musik ohne Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann und Ludwig van Beethoven? Sie sind jene tragenden Säulen der europäischen Musikgeschichte, deren schöpferisches Wirken weit über ihre jeweilige Epoche hinausreicht. Alle drei schufen „künstlerische Weltentwürfe“, die das musikalische Denken ihrer Zeit grundlegend veränderten und bis in die Gegenwart nachwirken. Ihre Kompositionen begründeten Traditionen, definierten Maßstäbe und eröffneten neue Ausdrucksräume, an denen sich Generationen von nachfolgenden Komponisten orientierten.
Dabei verkörpern sie zugleich drei vollkommen unterschiedliche Facetten kompositorischer Meisterschaft: Johann Sebastian Bach führte die Kunst des Kontrapunkts und die formale Vollendung barocker Kompositionskunst auf einen bis heute unerreichten Gipfel. Georg Philipp Telemann erwies sich als kongenialer Klangvisionär und europäischer Stilist, der nationale Einflüsse mit bemerkenswerter Leichtigkeit zu einer unverwechselbaren musikalischen Sprache verschmolz. Ludwig van Beethoven schließlich sprengte die Grenzen der Wiener Klassik und erhob die Sinfonie – so, wie wir sie heute kennen und schätzen – in neue ästhetische Dimensionen.
Gerade für Thüringen besitzen Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann eine herausragende kulturhistorische Bedeutung. Mit Bach wurde 1685 in Eisenach einer der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte geboren; nur wenige Jahrzehnte später wirkte Telemann als Hofkapellmeister am Eisenacher Hof und bezeichnete die Stadt rückblickend voller Anerkennung als seine „hohe Schule“. Hier kreuzten sich die Lebenswege zweier musikalischer Giganten des Barock – verbunden durch gegenseitige Wertschätzung, familiäre Bande und den gemeinsamen kulturellen Kosmos Mitteldeutschlands. Mit Bachs „Orchestersuite Nr. 3 D-Dur“ und Telemanns „Konzert für Altblockflöte und Orchester C-Dur“ erklingen zwei Meisterwerke, in denen sich jene künstlerische Reife widerspiegelt, deren Wurzeln nicht zuletzt im reichen musikalischen Umfeld Thüringens liegen.
„Nicht Bach! Meer sollte er heißen: wegen seines unendlichen, unerschöpflichen Reichtums an Tonkombinationen und Harmonien.“ – Mit diesen Worten brachte Ludwig van Beethoven seine Bewunderung für Johann Sebastian Bach zum Ausdruck. Als Komponist und Innovator stand er ihm in nichts nach. Mit seiner „Sinfonie Nr. 3 Es-Dur“ überschritt Beethoven um 1803/04 die Dimensionen der bisherigen klassischen Sinfonie und erhob sie zu einer Kunstform von bis dahin ungeahnter geistiger und dramaturgischer Tragweite. Ursprünglich Napoleon Bonaparte zugedacht, verwandelte sich das Werk nach dessen Kaiserkrönung in eine „heroische“ Sinfonie – nicht mehr das Porträt eines vermeintlichen Helden, sondern eine musikalische Auseinandersetzung mit der Idee des Heroischen selbst.
Dorothee Oberlinger
Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach